Wie verbessere ich die Kommunikation mit meinem Kind?

Wie verbessere ich die Kommunikation mit meinem Kind?
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Einführung

In diesem Artikel möchte ich dem Thema Verhaltensmuster bei der Kindererziehung, das ich in meinem vorangegangenen Artikel behandelt habe, einen praktischen Bezug geben. Die eigentliche Schwierigkeit bei diesem Thema besteht in der Umsetzung.

Wie schafft man es, seine eigenen Verhaltensmuster richtig zu erkennen und zu verstehen? Und wie gelingt es einem, an diesen Verhaltensweisen zu arbeiten, damit sie dem eigenen Kind nicht schaden?

Genau hier ist man oft hilflos. Zwar hat man vielleicht ein gewisses theoretisches Hintergrundwissen und kennt seine eigenen Schwächen und Fehler, die man in der Kommunikation mit seinen Kindern begeht. Aber oft wünschen wir uns eine Lösung oder eine Alternative in einer konkreten Situation, die wir in einem bestimmten Moment nicht in den Griff bekommen.

Vorgehensweise

In einer praktischen Übersicht möchte ich Verhaltensmuster sammeln, die uns im Alltag mit unseren Kindern immer wieder widerfahren. Zu diesen Situationen gebe ich

  • zum einen bestimmte Handlungen/verbale Reaktionen vor, die negativ behaftet sind und lieber vermieden werden sollten und
  • zum anderen Handlungsalternativen, die die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern positiv beeinflussen können.

Verhaltensmuster 1: unüberlegte Handlungen

Eltern fördern bei Kindern unbewusste, unüberlegte Handlungen und nehmen den Kindern die Möglichkeit eigene Entscheidungen zu treffen.

[-] Du sollst nicht denken. Du sollst etwas tun.

[+] Schön, dass du dir darüber Gedanken machst. Überlege dir aber genau, was du machen kannst.

[-] Du sollst mich nicht belehren.

[+] Du kannst meiner Einschätzung vertrauen. Ich habe mehr Lebenserfahrung und habe solche Situation schon mehrfach erlebt.

[-] Ich weiß besser, was für dich richtig ist.

[+] Es ist wichtig, dass du lernst eigene Entscheidungen zu treffen. Ich möchte dir einen guten Ratschlag geben, weil ich für dich das Beste möchte und dich vor Fehlentscheidungen beschützen will.

[-] Du weißt natürlich alles besser!

[+] Ich habe eine andere Meinung dazu, weil… Im Moment hast du zwar diese Meinung dazu, schau dir aber die andere Seite der Medaille an…

[-] Du sollst mit mir nicht diskutieren.

[+] Lass uns mal diese Situation besprechen und nach einer Lösung suchen.

[-] Lass diese blödsinnigen Gedanken. Sie bringen dich nicht weiter.

[+] Warum hast du Bedenken? Vielleicht kann ich dich unterstützen? Es ist nicht schlimm Fehler zu machen.

[-] Wenn du 18 bist, kannst du alles selbst entscheiden. Bis dahin weiß ich besser, was für dich richtig ist.

[+] Wir sollten versuchen einen Kompromiss zu finden.

Verhaltensmuster 2: Behüten vor Enttäuschungen

Eltern hindern ihre Kinder daran ehrgeizig und erfolgreich zu sein oder behüten sie zu sehr vor Enttäuschungen.

[-] Lass es lieber gleich, bevor du damit auf die Nase fällst.

[+] Es wird nicht einfach, aber du kannst es trotzdem versuchen, wenn es für dich wichtig ist.

[-] Diese Aufgabe ist für dich zu schwer. Lass sie lieber weg./ Ich mache sie schnell selbst für dich.

[+] Diese Aufgabe ist zwar schwer, aber ich kann sie dir erklären, damit du sie besser verstehst. Dann kannst du versuchen sie selbständig zu lösen.

[-] Diese Sportart ist viel zu schwer für dich. Suche dir lieber etwas anderes aus.

[+] Diese Sportart ist zwar sehr anspruchsvoll, aber wenn sie dir Spaß macht, dann kannst du alles schaffen.

[-] Um diesen Beruf zu erlernen, brauchst du eine überdurchschnittliche Intelligenz, ein großes Durchhaltevermögen und viel Zeit. Ich würde es an deiner Stelle erst gar nicht versuchen.

[+] Du bist sehr clever und mit viel Arbeit und Ehrgeiz kannst du diesen Beruf erlernen. Wichtig ist, dass du es dir selbst vorstellen kannst, diesen Beruf zu ergreifen und damit glücklich bist.

Verhaltensmuster 3: auf Entscheidungen anderer verlassen

Eltern haben Angst eigene Entscheidungen zu treffen und vermitteln ihren Kindern ihre Zweifel und Unsicherheit. Sie bevorzugen es sich auf Entscheidungen anderer zu verlassen.

[-] Warte erst einmal, was die anderen machen/sagen, dann kannst du entscheiden.

[+] Egal, was die anderen sagen, du solltest dich so entscheiden, wie du es für richtig hältst.

[-] Welche Schul-AG haben denn die meisten Kinder aus deiner Klasse ausgesucht? Dann nimmst du am besten dieselbe.

[+] Wähle eine AG nach deinen Interessen, auch wenn kaum jemand aus deiner Klasse sie besuchen will.

[-] Wenn die anderen nichts sagen, dann sag lieber auch nichts.

[+] Du kannst immer deine Meinung sagen, egal was andere darüber denken.

[-] Gehe lieber kein Risiko ein, vielleicht bessert sich die Situation von allein.

[+] Handle lieber selbst anstatt abzuwarten, dass sich irgendetwas von allein tut. Möglicherweise kannst du die Situation in eine bestimmte Richtung lenken.

Verhaltensmuster 4: übervorsichtige Handlungen

Sehr besorgte und ängstliche Eltern, die ungern etwas riskieren und ihren Kindern beibringen bei Entscheidungen und Handlungen übervorsichtig zu sein.

[-] Pass bloß auf und klettere da nicht hoch, sonst stürzt du noch.

[+] Du kannst hier klettern, aber sei bitte vorsichtig.

[-] Fass es nicht an, sonst verletzt du dich.

[+] Sei vorsichtig, wenn du etwas anfasst, damit du dich nicht verletzt.

[-] Du sollst nicht rennen, sonst fällst du.

[+] Sei bitte aufmerksam, wenn du rennst.

Verhaltensmuster 5: starke Selbstkritik

Sehr selbstkritische Eltern, die auch von ihren Kindern verlangen, selbstkritisch zu sein, was zu einem mangelnden Selbstwertgefühl führen kann.

[-] Du hast dir keine Mühe gegeben. Das Ergebnis lässt zu wünschen übrig.

[+] Das hast du schon gut gelöst. Mach weiter so. Nächstes Mal wird es noch besser.

[-] Nimm dir ein Beispiel an deinem Freund. Er kann es besser.

[+] Das ist dir sehr gut gelungen. Ich bin stolz auf dich.

[-] Andere Kinder sind viel schneller als du.

[+] Du bist schon viel schneller gewesen als beim letzten Mal.

[-] Andere Kinder lesen/rechnen schon viel besser.

[+] Du hast wirklich gute Fortschritte gemacht.

Verhaltensmuster 6: aufdringliches Interesse

Eltern sind zu aufdringlich und lassen ihren Kindern kaum Freiraum. Sie wollen über alles Bescheid wissen und bohren bis ins kleinste Detail nach und ignorieren die Gefühle ihrer Kinder.

[-] Wie war dein Treffen mit Freunden? Wer was alles dabei? Wo wart ihr? Worüber habt ihr euch unterhalten?

[+] Hast du eine schöne Zeit mit deinen Freunden verbracht? Möchtest du mir etwas mehr darüber erzählen?

[-] Warum bist du so schlecht gelaunt? Es muss doch einen Grund geben. Lass deine Laune nicht an uns aus.

[+] Bist du schlecht gelaunt? Wenn du darüber sprechen willst, ich habe für dich jederzeit ein offenes Ohr.

Verhaltensmuster 7: den Willen unterdrücken

Eltern zwingen ihre Kinder etwas zu tun und unterdrücken in ihnen den eigenen Willen.

[-] Du wirst jetzt diese Hausaufgaben machen, ob du willst oder nicht.

[+] Warum willst du deine Hausaufgaben nicht machen? Wenn du müde bist, dann kannst du eine Pause machen. Wenn du sie gar nicht machst, dann wirst du dafür in der Schule ermahnt und musst sie trotzdem nachmachen. Und mit neuen Hausaufgaben hast du dann doppelt so viel zu tun.

[-] Du musst jetzt sofort dein Zimmer aufräumen. Mir ist es egal, ob du gerade etwas anderes machst.

[+] Ich möchte, dass du dein Zimmer aufräumst. Du kannst noch dein Spiel/dein Gespräch beenden, danach solltest du aufräumen.

Verhaltensmuster 8: Bestrafung

Eltern bestrafen ihre Kinder für Vergehen. Eltern drohen Kindern mit Bestrafung.

[-] Du darfst morgen nicht fernsehen, weil du heute vergessen hast, deine Hausaufgaben zu machen.

[+] Da du gestern vergessen hast, deine Hausaufgaben zu machen, solltest du sie heute nachholen.

[-] Da du uns angelogen hast, kriegst du für die ganze Woche Handyverbot.

[+] Bestimmt hattest du einen Grund, warum du uns angelogen hast? Du solltest es wieder gut machen.

[-] Du bist zu spät nach Hause gekommen, du kriegst Hausarrest.

[+] Wenn du es schaffst dreimal hintereinander pünktlich zu Hause zu sein, darfst du einmal in der Woche etwas länger ausgehen.

[-] Wenn du jetzt nicht sofort machst, was ich dir sage, musst du den restlichen Tag auf deinem Zimmer verbringen.

[+] Wenn du das nicht machst, dann wirst du heute keine Zeit mehr fürs Spielen haben.

[-] Ich will mir von dir keine Erklärungen mehr anhören. Ich will überhaupt nicht mehr mit dir sprechen. Mach einfach was du willst, mir ist es egal.

[+] Ich werde mir deine Erklärung anhören. Es wird aber auf jeden Fall Konsequenzen geben. Ich bin sehr verärgert über dein Verhalten.

Verhaltensmuster 9: nicht konstruktive Kritik

Eltern kritisieren ihre Kinder oft oder beleidigen sie.

[-] Du arbeitest immer im Schneckentempo.

[+] Das nächste Mal schafftt du es bestimmt etwas zügiger zu arbeiten.

[-] Du bist immer so tollpatschig.

[+] Das ist ein Missgeschick. Das nächste Mal solltest du etwas besser aufpassen.

[-] Du hast diese Aufgabe schon hundert Mal gemacht und verstehst sie immer noch nicht. Wann geht das denn endlich in dein Gehirn rein?

[+] Diese Aufgabe hast du schon oft gemacht. Offenbar hast du sie immer noch nicht ganz verstanden. Ich erkläre sie dir nochmal.

Schlussfolgerung

Alle genannten Verhaltensweisen der Eltern können die Psyche der Kinder entscheidend prägen. Leider passieren uns im Alltag ganz oft Situationen, in denen es uns wirklich schwer fällt uns zu beherrschen. Viele Dinge, die uns aufregen, passieren immer wieder und wir müssen zum tausendsten Mal erklären und haben trotzdem das Gefühl, dass es nicht richtig angekommen ist. Wir sind alle sehr unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Charakteren, mit unseren eigenen Prägungen und Belastungsgrenzen.

Das Beste, was wir machen können, ist es immer wieder in unser Bewusstsein zu rufen, dass unser Handeln jedes Mal unsere Kinder beeinflusst und verändert. Als Eltern haben wir eine Vorbildfunktion und haben die volle Verantwortung für sie. Deshalb lohnt sich die Arbeit an unseren inneren Baustellen immer. Daran können wir wachsen und so können wir Stück für Stück die Kommunikation mit unseren Kindern verbessern und die Beziehung zu ihnen stärken.

Habt ihr euch in den vorgestellten Verhaltensmustern wiedergefunden? Gelingt es euch eine klare Grenze zwischen Konsequenzen und Bestrafungen zu ziehen? Ich bin gespannt auf eure Meinungen dazu.

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