Muss ich immer mit meinem Kind spielen? Die richtige Strategie

Muss ich immer mit meinem Kind spielen? Die richtige Strategie
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Muttersein kann schon ein harter Job sein. Wenn dein Kind noch ein Baby ist, gehörst du komplett ihm. Du trägst es herum, stillst oder fütterst es tags und nachts, kriegst wenig Schlaf, bist die ganze Zeit am beobachten, um ja nicht den nächsten Entwicklungsschritt zu verpassen. Du beschäftigst dich ganz intensiv mit ihm, bringst ihm erste Fingerspiele bei, singst Lieder und erzählst ihm kleine Geschichten. Das alles gehört einfach dazu und ist der natürliche Lauf der Dinge.

Dein Baby wird irgendwann zum Kleinkind und lernt immer neue Dinge dazu. Mit der Zeit lernt es etwas selbständiger zu sein, wird windelfrei, möchte plötzlich Vieles selbst machen, sich anziehen, essen und kann sich schon für eine gewisse Zeit selbst beschäftigen und auch mal allein spielen.

Und dann entwickelt dein Kind das Bedürfnis mit anderen Kindern zusammen zu spielen. Es braucht mehr soziale Kontakte und Austausch. Und wer ist wohl der erste und beste Spielpartner für deinen Sprössling? Aber natürlich die Mama! Hörst du schon die Worte „Mama, ich möchte mit dir spielen!“? Hand aufs Herz, was antwortest du am häufigsten darauf?

So vielleicht?

 „Oh, was für eine tolle Idee! Aber selbstverständlich können wir zusammenspielen. Wollen wir deine Puppen holen? Wir können ja einen Kindergarten aufbauen und spielen den Kindergartenalltag nach. Wir lassen sie frühstücken und holen uns dafür aus deiner Kinderküche das Geschirr und aus dem Kaufladen die Lebensmittel. Ach ja, es ist ja Sommer, dann können wir doch die Kinder auch im Garten mit Wasser spielen lassen. Ich hole gleich eine Schüssel mit Wasser. Und wenn wir damit fertig sind, dann können wir später Schattentheater spielen. Ich habe schon eine ganz tolle Idee, wer darin die Hauptrolle spielen soll…“

Ähhh, wirklich?

Jetzt mal im Ernst. Diese Mamas soll es wohl geben. Sie sind die geborenen Kinderanimateurinnen und wären für jeden Kindergarten Gold wert, einfach bewundernswert. Wenn du dich angesprochen fühlst, dann bist du eine echte Powermami. Wenn nicht, dann bist du trotzdem eine Supermami, nur eine andere Persönlichkeit.

Aber so schwer ist es doch gar nicht, oder?

  • Wir wollten Kinder haben, also haben wir gefälligst mit Ihnen zu spielen.
  • Also wirklich, ich kann doch meinem Kind nicht sagen, dass ich keine Zeit oder gar Lust habe! Was bin ich dann überhaupt für eine Mutter?

Liebe Mamis, ihr dürft euch an dieser Stelle bitte entspannen!

  • Dürfen Mütter etwa keine eigenen Wünsche und Bedürfnisse haben?
  • Müssen wir jede Sekunde für unsere Sprösslinge verfügbar sein?
  • Müssen wir immer lustig, phantasievoll und kreativ sein?

Die Antwort ist: das müssen wir nicht!

  • „Aber was mache ich mit meinem schlechten Gewissen?“, fragt ihr euch bestimmt.

Ganz bestimmt werden euch folgende Vorschläge weiterhelfen. Sie werden euch klarmachen, wie ihr euch in so einer Situation verhalten könnt ohne euer Kind zu enttäuschen und ohne euch selbst zwingen zu müssen.

  • Fragt euer Kind, was es spielen möchte und vereinbart ein Spiel, das euch BEIDEN gefällt. (Mein Alptraum sind Rollenspiele. Ich spiele gern Brettspiele, lese gern vor, baue sehr gern mit Lego oder bewege mich gern mit Kindern. Aber Rollenspiele…muss nicht sein.) Überlasst Spiele, die ihr nicht mögt, dem Papa, Geschwistern oder Großeltern, Erziehern, wenn sie sie mögen.
  • Probiert etwas Neues aus. Habt ihr vielleicht interessante Spiele bei Freunden entdeckt, die ihr noch nicht habt? Oder schaut euch doch schon mal nach Spielmöglichkeiten für die nächste Altersstufe um, die euer Kind für sich entdecken kann.
  • Schafft eine größere Vielfalt für euer Kind und versucht Spielmöglichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen anzubieten, damit es niemandem langweilig wird: Konstruktionsspielzeug / Puppen / Fahrzeuge / Gesellschaftsspiele / Basteln, Malen, Kneten / Bücher, Filme, Hörspiele / Lernen / Naturwissenschaft / Kostüme / Kuscheltiere / Musikinstrumente / Puzzle / Sammelfiguren / Technik usw.
  • Unternehmt viel zusammen. Macht gemeinsame Ausflüge, wo sich die Kinder austoben können, ohne dass ihr überhaupt spielen müsst. Kinder brauchen und lieben Erlebnisse.
  • Bindet euer Kind in die alltäglichen Routineaufgaben mit ein. Kocht zusammen das Mittagessen oder backt einen Kuchen. Vielleicht hattet ihr schon lange vor die Zimmerpflanzen umzutopfen. Kinder lieben das Gärtnern.
  • Macht auch mal einen gemeinsamen Kinoabend zu Hause und schaut euch einen tollen Film an. Selbstverständlich darf hier nichts fehlen, was zu einem echten Kinobesuch dazu gehört: Popcorn, Snacks usw.
  • Ladet andere Kinder nach Hause ein. So hat euer Kind einen oder mehrere Spielkameraden.
  • Und ja, ihr dürft eurem Kind auch mal ehrlich sagen, dass ihr im Moment nicht so gern spielen wollt. Schlagt eine Alternative vor und/oder versprecht, dass ihr euch später am Tag oder an einem anderen Tag ganz viel Zeit für euer Kind nehmen werdet. Es ist übrigens nichts Schlimmes, wenn sich euer Kind auch mal langweilt. Das gehört zu seiner Entwicklung dazu. In solchen Situationen kommen Kinder oft auf völlig neue Ideen und Entdeckungen, um sich zu beschäftigen.

Fällt euch etwas auf?

Wenn ihr diese Punkte umsetzt, dann müsst ihr gar nicht mehr so viel spielen. Und die paar Mal in der Woche, die übrig bleiben, gönnen wir uns doch so oder so gern, weil wir uns für etwas entscheiden, was allen gleich viel Vergnügen bereitet und weil in jedem von uns doch immer noch ein Kind steckt, dem gänzlich ohne Spielen das Leben viel zu langweilig wäre.

Welche Spielmami bist du? Schreib mir das doch in einem kurzen Kommentar.

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