Mein Kind hört nicht auf zu reden. Wie geht man damit um?

Mein Kind hört nicht auf zu reden. Wie geht man damit um?
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Bestimmt kennt ihr das gut, wie es ist, wenn euer Kind, sobald es sprechen gelernt hat, nicht mehr aufhört zu erzählen und zu fragen. Nun, Tatsache ist, dass es das Beste ist, was ein Kind machen kann, denn so lernt es sich besser auszudrücken, seine Gefühle zu beschreiben und uns seine Gedanken mitzuteilen. Unsere Kinder lassen uns so wissen, was sie bewegt, welche Interessen und Neigungen sie haben, was sie beschäftigt oder bedrückt, ob es ihnen gut oder schlecht geht. Wir können uns glücklich schätzen, wenn unser Kind so offen und gesprächig ist.

Warum wird es dann mit der Zeit so anstrengend für uns oder nervt uns sogar?

Das liegt auf der Hand. Wir sind oft angespannt, gestresst, haben ganz viele andere Dinge zu tun. Wir haben die Arbeit, Termine, Verpflichtungen und vielleicht auch weitere Kinder (hoffentlich reden sie dann mit uns nicht auch noch gleichzeitig um die Wette…)

Alles schön und gut…aber was ist, wenn es so extrem wird, dass ihr nichts mehr ungestört machen könnt, euch nicht mehr mit jemandem unterhalten oder telefonieren könnt, wenn euer Kind sogar dann weiterspricht, wenn ihr ihm sagt, dass es aufhören soll, dass es sich kurz mit etwas anderem beschäftigen soll, weil ihr etwas Wichtiges zu erledigen habt.

Und dann ist da noch etwas Anderes… Euer Sprössling plaudert genauso viel und gern mit anderen Menschen und erzählt vielleicht alles, was in eurem Familienalltag passiert. Er hat auch keine Hemmungen das Gleiche mit wildfremden Menschen zu tun. Spätestens hier kann es für das Kind doch gefährlich werden.

  • Ihr seid verzweifelt, vielleicht sogar wütend, macht euch gleichzeitig Sorgen um euer Kind, weil ihr nicht versteht, warum es gar nicht mehr aufhört und nicht auf euch hören kann.
  • Sollte man überhaupt versuchen es zum Schweigen zu bringen?
  • Woran liegt es, dass manche Kinder so gesprächig sind?
  • Ist es etwa eine feste Charaktereigenschaft oder das eigene Temperament?

Was sind mögliche Gründe, warum manche Kinder solche Plaudertaschen sind?

  • Es kann der Ausdruck des eigenen Wesens und des Temperaments sein.
    Es ist ein extrovertierter Mensch und hat einfach ein großes Bedürfnis sich auszusprechen, sich mit anderen Menschen auszutauschen. So ein Kind hat dermaßen viele Gedanken, dass es sie so schnell und so ausführlich wie möglich mitteilen muss, damit sein Gesprächspartner nicht weggeht. Es hat Angst, dass es sonst etwas vergisst oder seinen Gedanken nicht zu Ende bringen kann.
  • Euer Kind ist aufgeregt und aufgedreht, weil es seinen Tag und alles Erlebte verarbeiten muss. Das führt zum Bedürfnis laut und viel zu erzählen. Die Emotionen müssen irgendwie aus ihm raus. Das ist sogar bei uns Erwachsenen oft der Fall, wenn wir aufgeregt sind.
  • Das Kind hat noch nicht das richtige Gefühl für Grenzen entwickelt und braucht dafür erst noch eine gewisse Reife, die erst mit zunehmendem Alter erlangt wird.
  • Manchmal versucht das Kind mit endlosen Gesprächen über Gott und die Welt seine wirklichen Sorgen zu überspielen. Vor allem kann es häufig bei Kindern im anfänglichen Schulalter passieren. Es verstrickt sich sogar in Fantasien und macht es manchmal unbewusst oder aber absichtlich, damit es nicht an etwas denken muss, was es wirklich beschäftigt, was ihm vielleicht Angst macht.
  • Das Kind braucht eure Aufmerksamkeit und Bestätigung.
  • Vielleicht ist es verunsichert und kann gerade die Welt nicht verstehen. Es hat viele Fragen, auf die er keine Antworten kennt.

Der richtige Umgang:

  • Versucht nicht euer Kind zu verbiegen. Es braucht diese Eigenschaft für seine Entwicklung. Gebt ihm die Möglichkeit sich auszutoben. Solche Kinder brauchen ein aktives Leben, viel Beschäftigung, aber auch Freiheiten. Lasst sie auch oft selbständig draußen mit anderen Kindern spielen.
  • So schwer es manchmal auch fällt, ignoriert euer Kind nicht. Es spürt eure Abwesenheit und wird dadurch nervöser. Das ist absolut kontraproduktiv und verschlimmert eher die Situation.
  • Euer Kind hat das starke Bedürfnis, dass man ihm zuhört. Befriedigt dieses Bedürfnis. Tut ihr das nicht, redet es womöglich noch mehr oder fängt an Geschichten zu erfinden.
  • Stellt ihm konkrete Fragen und findet heraus, was es so aufgeregt hat.
  • Lasst euch auf die Gespräche eures Kindes ein und lasst damit nicht zu, dass es bei anderen Menschen oder gar Fremden bessere Gesprächspartner sucht.
  • Führt so früh wie möglich in eurer Familie die Regel ein „Zu Hause darf jederzeit über alles gesprochen werden. Dinge, die die eigene Familie betreffen, dürfen draußen nur mit Erlaubnis der Eltern erzählt werden.“ Euer Kind wird es nicht sofort verinnerlichen können, es braucht Zeit und seine geistige Reife. Wenn es trotzdem etwas ausplaudert, nicht mit ihm schimpfen, sondern immer wieder erklären.
  • Schlagt eurem Kind vor, das Gespräch auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, wenn es für euch gerade unpassend ist, und löst unbedingt euer Versprechen ein.
  • Wenn euer Kind immer wieder über das gleiche Thema spricht (z. B. seine Lieblingsserie, -spiele, -helden usw.), könnt ihr versuchen das Thema zu wechseln, allerdings in eine für ihn interessante Richtung.

Es gibt keinen wirklichen Zaubertrick um eure Quasselstrippe zum Schweigen zu bringen. Auch hier kommen wir ohne GEDULD nun mal nicht weiter. Aber so ist es in der Elternrolle. Die Kindesentwicklung ist ein langer Prozess. Unsere Kinder entwickeln sich zu einer Persönlichkeit und machen ihre ganz eigenen Schritte. Wir Eltern können nur unser Bestes tun und für sie da sein, um sie dabei zu begleiten und zu unterstützen soweit es möglich ist.

Ich wünsche euch dabei ganz viel Geduld, Aufmerksamkeit und Liebe!

Habe ich mit diesem Thema euren Nerv getroffen? Läuft bei euch zu Hause auch so ein gesprächiges Wesen herum? Fällt euch das Leben mit ihm leicht oder müsst ihr schwer an der Kommunikation und an euch selbst arbeiten? Ich gehöre definitiv zur zweiten Gruppe.

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